Sekretariat Pfarramt

Weltgebetstag der Schöpfung

Kath. Kirche B&uuml;lach <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Sekretariat&nbsp;Pfarramt)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-buelach.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>21</div><div class='bid' style='display:none;'>259</div><div class='usr' style='display:none;'>11</div>

Sekretariat Pfarramt,













Sie kennen sicher die „Fastenzeit“ und die „Osterzeit“. Sicher auch die „Adventszeit“, die ja auch eine Fastenzeit vor Weihnachten ist.

Neu im Kirchenjahr ist die „Schöpfungszeit“.

Sie beginnt mit dem 1. September, dem „Weltgebetstag der Schöpfung“, und endet am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franziskus.

In unserer Pfarrei war es nicht möglich, die Schöpfungszeit zu begehen. Wir holen das nun nach und feiern den

„Weltgebetstag der Schöpfung“.

In diesem Jahr steht der Weltgebetstag unter dem Motto „Jubeljahr für die Erde“. Das hängt damit zusammen, dass vor 50 Jahren der „Earth Day" (Tag der Erde) erstmals begangen wurde.

Viel zu jubeln gibt es ja nicht, sollte man denken, warum also ein „Jubeljahr“?

Die Tradition der Jubeljahre stammt aus dem Alten Testament (Leviticus 25.8). Ein Jubeljahr gab es alle 50 Jahre.

In der Bibel heisst es „Jobel-Jahr“. Es hat mit „Jubel“ eigentlich gar nichts zu tun.

«JOBEL» ist ein hebräischen Wort und bedeutet „Widder".

Das Jobeljahr wurde mit einer Posaune eröffnet, die aus dem Horn eines Widders hergestellt wurde.

Bei der Übersetzung der Bibel hat man das Wort JOBEL lautmalerisch mit JUBEL übersetzt und daher sprechen wir nun von «Jubeljahren».

Zu diesem Jubeljahr für die Schöpfung hat der Papst eine Botschaft publiziert.

Daran orientiere ich mich im Folgenden:

Das Jubeljahr ist

- Eine Zeit des Erinnerns
- Eine Zeit der Umkehr
- Eine Zeit des Ruhens
- Eine Zeit der Wiederherstellung
- Eine Zeit der Freude


Eine Zeit des Erinnerns

Wir dürfen uns daran erinnern,
dass die Schöpfung ein Ziel hat. Die ganze Schöpfung, auch wir Menschen, sind auf einer Reise durch die Zeit. Das Ziel ist die ewige Herrlichkeit, das Paradies.

Wir dürfen uns auch daran erinnern,
dass die Schöpfung, in der wir leben, dazu berufen ist eine Gemeinschaft der Liebe zu sein. Die Liebe zu Gott, die Liebe zu den Brüdern und Schwestern und die Liebe zu allen Geschöpfen.

Und wir sollen uns auch in Erinnerung rufen,
dass in der Schöpfung „alles aufeinander bezogen ist und dass die echte Sorge für unser eigenes Leben und unsere Beziehung zur Natur nicht zu trennen ist von der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Treue gegenüber den anderen“.


Eine Zeit der Umkehr

«Umkehr» ist eine Art Standardforderung in der Bibel. Die Propheten, Johannes der Täufer und Jesus selbst haben immer wieder zur Umkehr aufgerufen.

Es ist nicht immer leicht zu erkennen, was die geforderte Umkehr konkret für uns bedeutet.

In dem Zustand, in dem sich die Schöpfung heute befindet, ist es aber sehr deutlich, dass eine Umkehr dringend erforderlich ist und was zur Bewahrung der Schöpfung zu tun ist.

Für uns Christen ist Umkehr immer: Eine Umkehr zu Gott – unserem Schöpfer.


Und dann erkennen wir:

- Die Schöpfung gehört nicht einfach „uns“.
- Wir dürfen mit der Schöpfung nicht einfach machen, was wir wollen.
- Wir sind selbst Teil der Schöpfung – und nicht Herren der Schöpfung.

Wir sind aufgerufen, mitzuhelfen Gottes Schöpfungsplan zu verwirklichen und zum Ziel zu führen: mit den Brüdern und Schwestern zu teilen wie bei einer Tischgemeinschaft.

„Das Jubeljahr ist eine Zeit zur Befreiung der Unterdrückten und all jener, die in den verschiedenen Formen moderner Sklaverei wie Menschenhandel und Kinderarbeit gefangen sind“. – sagt uns der Papst.

Und diese Form der «modernen Sklaverei» ist sehr verbreitet. Das wissen Sie sicherlich.
Denken Sie nur daran, unter welch menschenunwürdigen Bedingungen und mit wie viel Kinderarbeit die Kakao-Bohnenz.B. in der Elfenbeinküste geerntet werden, aus denen unsere Schweizer Schokolade hergestellt wird.

Solche Schokolade sollte man gar nicht kaufen.


Eine Zeit des Ruhens

Der Sabbat im Alten Testament und im Neuen Testament istfür uns Christen der Sonntag – ein Ruhetag.

In der bereits genannten Stelle im Alten Testament geht es aber nicht nur um den Tag „Sabbat“, sondern auch um dasSabbat-Jahr, das alle 7 Jahre gefeiert wird.

Und nach 7 Sabbat-Jahren folgt das Jubeljahr oder eben eigentlich Jobeljahr.

Ein ganzes Jahr der Ruhe für die Erde und ihre Bewohner.

Unsere heutige Erde braucht ganz bestimmt Ruhe.

Ruhe von der ununterbrochen laufenden Maschinerie von Produktion, Transport und Konsum.
Die Erde, die Umwelt ist „erschöpft“ und muss sich erholen.

Auch die Bewohner, wir Menschen, sind ruhelos, rastlos und erschöpft.
Unser Gang durch den Alltag ist eher ein Laufen oder ein Rennen (Hetzen).

Interessant ist daher die «kürzeste Definition» von Religion.

Die Definition lautet: „Unterbrechung“.

Ich unterbreche meinen rasenden Alltag für 10 Minuten und komme zur Besinnung:
Was mache ich eigentlich? Was will Gott von mir?

Vor jeder Begegnung mit einem Menschen unterbreche ich und mache mir in einen kurzen inneren Halt bewusst, dass ich bei dieser Begegnung auch Gott begegne.

Solche Unterbrechungen können Wunder wirken.

Zurzeit haben wir in mancher Hinsicht eine erzwungene Ruhe. Was wir alle hier in Bülach merken: es ruht auch der Flugverkehr.

Wir wollten vielleicht in den Ferien auf die kanarischen Inseln fliegen, was leider nicht möglich ist. Stattdessen bleiben wir nun hier und ruhen uns tatsächlich aus, was der eigentliche Sinn der Ferien ist.

Allerdings müssen wir auch lernen, die Ruhe auszuhalten.


Eine Zeit der Wiederherstellung

In der nun bereits mehrfach erwähnten Stelle im Alten Testament ist vorgesehen, dass nach diesen 50 Jahren im Jubeljahr der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird:

Alle haben gearbeitet, gewirtschaftet, gehandelt. Einige erfolgreich, einige weniger erfolgreich, einige sind verschuldet, vielleicht sogar versklavt, einige haben ihr Land vergrössert, einige haben ihr ganzes Land verloren etc.

Und nun: im Jubeljahr gehen alle wieder zurück auf den Startpunkt!

Es ist wie ein Neustart bei Monopoly: alle erworbenen Strassen, Häuser, Hotels und Geldscheine werden vom Spielbrett entfernt und ein Neustart beginnt.

Neuer Start – neues Glück.

Es ist gut möglich, dass diese Wiederherstellung auch in der alten Zeit nie wirklich praktiziert wurde.

Und hier und heute in der Schweiz? Ein ganz grosser Teil des riesigen Vermögens aller Schweizerinnen und Schweizer gehört einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung. Eine gleichmässige Rückverteilung an alle – eigentlich undenkbar.

Eine gewisse «Wiederherstellung» ist aber dennoch möglich:

- Schulden erlassen, zum Beispiel den zum Teil hochverschuldeten armen Ländern.
- Verlorene Biodiversität „wiederherstellen“, soweit dies noch möglich ist.
- Den Klimawandel bekämpfen und ein ausgewogenes Klima „wiederherstellen“.

Und – jetzt zitiere ich den Papst wörtlich, weil die Aktualität geradezu frappierend ist:

- „Eine solche Wiederherstellung muss in gerechter Weise erfolgen und dafür sorgen, dass diejenigen, die ein Land seit Generationen bewohnt haben, wieder ganz darüber verfügen können.

Indigene Gemeinschaften müssen vor Unternehmen geschützt werden, insbesondere vor multinationalen Konzernen, die durch schädliche Gewinnung von fossilen Brennstoffen, Mineralien, Holz und Agrarprodukten in den weniger entwickelten Ländern tun, was sie in den Ländern, die ihnen das Kapital bringen, nicht tun können.

Dieses korporative Fehlverhalten der Konzerne stellt eine „neue Form des Kolonialismus“ dar.
(Diese Formulierung «neue Form des Kolonialismus» stammt von Johannes Paul II.
Ich betone das für alle diejenigen, die diesen grossen polnischen Papstes ohnehin schon verehren. Schon vor langer Zeit hat Johannes Paul II. dieses Fehlverhalten mit diesen klaren Worten gebrandmarkt.)

Ich fahre fort mit dem Zitat von Papst Franziskus:

Diese neue Form des Kolonialismus beutet die Gemeinschaften und die ärmeren Länder schändlich aus, die auf verzweifelter Suche nach wirtschaftlicher Entwicklung sind.

Es ist notwendig, die nationale und internationale Gesetzgebung zu stärken, so dass sie die Aktivitäten der Konzerne, die den Abbau von Bodenschätzen betreiben, reguliert und es den Geschädigten ermöglicht, den Rechtsweg zuverlässig zu beschreiten.“

Wie Sie wissen stimmen wir am 29. November 2020 über die Konzernverantwortungs-Initiative ab, die von der katholischen Bischofskonferenz und nahezu allen kirchlichen Institutionen und Organisationen und Konfessionen unterstützt wird.

Es sind genau diese Anliegen:

- Wahrung der Menschenrechte auch im Ausland
- Ein zuverlässiger Rechtsweg für die Geschädigten


Eine Zeit der Freude

Eine der schönsten Seiten unseres Glaubens ist es ja, dass es immer auch Grund zur Hoffnung und zur Freude gibt.

So ist auch das Jubeljahr und der Weltgebetstag der Schöpfung Anlass zur Freude.

«Es macht Freude, so viele junge Menschen und Gemeinschafen, vor allem indigene, an vorderster Front zu sehen, die sich mit der ökologischen Krise auseinandersetzen. Sie rufen zu einem Jubeljahr der Erde und zu einem Neuanfang auf, in dem Wissen, dass sich Dinge ändern können».

Es ist auch eine Freude, dass die Enzyklika «Laudato si’» viele zum Umdenken und Handeln inspiriert hat - auch uns hier in der Pfarrei Bülach.

Und es ist eine Freude, dass die «Schöpfungszeit» eine ökumenische Zeit ist. Wir wohnen in einem «gemeinsamen Haus».

Der Hauptgrund zur Freude ist, dass wir uns der Liebe unseres Schöpfers und seiner Unterstützung bei unseren Bemühungen sicher sein können.

Wir beten:

«Sende aus Deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu»

Amen
Bereitgestellt: 03.11.2020     Besuche: 47 Monat