Pfarreimotto 2013: "Zeichen setzen"

Zeichen setzen, so lautet unser Pfarreimotto, das mit dem 1. Advent 2012 beginnt und uns ein Jahr begleitet.
Wirtschaftliche Unsicherheit – Auseinandersetzungen in den arabischen Ländern – Eurokrise - Angst vor der Zukunft – steigender Druck in der Arbeitswelt – drohende Altersarmut – Wertewandel – Pfarreiinitiative für Reformen in der Kirche … laut Zeitungen und Medien sind das die Zeichen der Zeit und viele dieser Erscheinungen unserer Zeit machen uns unsicher und vielleicht sogar Angst.
Zeichen der Zeit —  Quelle: google

Zeichen der Zeit: Quelle: google

Wie wohltuend klingen da die Worte aus der Pastoralinstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils für uns: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeinigt, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden“ (Gaudium et spes 1).
Dies sind revolutionäre Worte in den Ohren aller, die die Kirche und ihr Verständnis von sich als „societas perfecta – perfekte Gesellschaft“ vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebt haben. Das Konzil definiert die Kirche neu als Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Weg durch die Zeit, die aufgerufen ist, sich ständig zu erneuern. Mit dem Schlagwort „aggiornamento – Verheutigung“ kündigte Johannes XXIII wenige Monate nach seiner Wahl zum Papst das Konzil an. Die Worte aus Gaudium et spes sind deshalb heute Ermutigung und Herausforderung zugleich für unsere Kirche und für jeden einzelnen Christ.
Wir sind als Christen getragen in den Sorgen und Fragen der Zeit und in unseren persönlichen Anliegen in der Gemeinschaft der Kirche. Zugleich sind wir aufgerufen, mit unseren Mitchristen unsere Hoffnung und unseren Glauben zu teilen und sie zu unterstützen.
Am 11. Oktober 1962 wurde das Zweite Vatikanische Konzil von Papst Johannes XXIII eröffnet. Etwa 2500 Bischöfe aus aller Welt kamen in Rom zusammen, um über die Kirche in der Welt und ihre Aufgaben angesichts der Herausforderungen der damaligen Zeit zu beraten. In drei Sitzungsperioden zwischen 1962 und 1965 wurden vier Konstitutionen, neun Dekrete und drei Erklärungen verfasst und verabschiedet. Es wurde miteinander gerungen und viele dieser Dokumente sind deshalb Kompromissentscheide, über deren Auslegung und Umsetzung man sich damals wie heute nicht sicher ist. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils kann man derzeit in den verschiedenen Medien viel darüber lesen und erfahren. Viele dieser Beiträge stellen die Frage, was von den Beschlüssen in unserer Kirche tatsächlich verwirklicht wurde bis jetzt, und in vielen der Artikel und Fernsehbeiträgen ist eine Sehnsucht nach dem Geist des Aufbruchs und der Erneuerung, der dem Zweiten Vatikanischen Konzil zugeschrieben wird, für unsere heutige Kirche spürbar. Vielleicht sind gerade deshalb in den letzten Monaten von kirchlichen Mitarbeitern in Österreich, Deutschland und der Schweiz Initiativen gestartet worden, die sich für Reformen in der Kirche einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Menschen, die sich von der Kirche abwenden, weil sie ihnen nichts mehr zu sagen scheint auf ihre Fragen im Glauben und im Leben. Genau wie die Kirche in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts herausgefordert war neue Antworten auf die drängenden Fragen ihrer Zeit zu finden, so sind auch wir heute angesichts der Zeichen unserer Zeit angefragt, neue Wege zu finden.
Aus diesem Grund haben wir für das kommende Kirchenjahr das Pfarreimotto „Zeichen der Zeit“ gewählt. Als Pfarrei sind wir aufgerufen und ermutigt hier in Bachenbülach, Bülach, Hochfelden, Höri und Winkel – auch in ökumenischer und interreligiöser Offenheit mit den anderen christlichen Kirchen und religiösen Gemeinschaften vor Ort – uns den Zeichen unserer Zeit zu stellen. Es ist unser Auftrag, uns gegenseitig zu unterstützen und zu begleiten in den Fragen, Sorgen, Ängste, Freuden und Hoffnungen unserer Zeit und derer, die jeden von uns persönlich betreffen.
Als Christen feiern wir in den Festen des Kirchenjahres das Leben Jesu und bringen unser Leben mit seinem in Verbindung. Durch den Glauben an seine frohe Botschaft und sein Schicksal schöpfen wir Kraft und Ermutigung für uns selbst. In den Sakramenten können wir die heilbringende Liebe Gottes ganz persönlich erfahren in den freudigen und schwierigen Ereignissen unseres Lebens. In diesem Sinne verstehe ich den Satz aus Gadium et spes 1: „Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden“. Ich wünsche uns allen diese Verbundenheit im Glauben untereinander und mit Gott in den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit.


Tanja Haas, Pastoralassistentin
Autor: Sekretariat Pfarramt     Bereitgestellt: 30.11.2012     Besuche: 32 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch