| Brückenbau als Last | Eurobanknoten sind schon komisch. Sie zeigen Bauwerke, die es gar nicht gibt: Fenster und Tore auf den Vorderseiten und Brücken auf den Rückseiten. Es sind fiktive Motive der europäischen Architektur, jeweils aus verschiedenen kunstgeschichtlichen Epochen. Die Brücken zeigen symbolisch die Verbindung der einzelnen Länder innerhalb der Europäischen Union. Sie sind nicht real – vielleicht weil eine dauerhafte und krisenfeste Verbindung noch eher Wunsch als Wirklichkeit ist? Die Brücke steht wie kaum ein anderes Bild für die Überwindung von Gräben und die Verbindung über trennende Grenzen hinweg. Andererseits steht das Brückenmotiv auch für das mit Angst besetzte Beschreiten gefährlicher Wege. Brücken können einstürzen, wirken manchmal wackelig oder wenig vertrauenserweckend, führen über gefährliche Abgründe und stehen für das Betreten von Neuland. Brückenbauen ist nicht einfach. Selbst Kirchenoberhäupter, die den Titel Pontifex Maximus – Oberster Brückenbauer – im Namen tragen, tun sich manchmal schwer damit. |
| Der Regenbogen | In der Bibel sucht man vergeblich nach Brücken. Denn zur Zeit des Alten Testamentes gab es diese Bauwerke noch nicht. Allerdings finden wir in der Bibel das Vorbild aller Brücken, den Regenbogen. Nach der grossen Flut schliesst Gott einen Bund mit Noach und wählt als sichtbares Zeichen den Regenbogen. Der Regenbogen ist die erste Brücke, die Brücke von Gott zu uns Menschen, sie verbindet Himmel und Erde. Der Regenbogen ist ein Zeichen unsagbaren Glücks. Er erinnert an die Zusage Gottes, dass Wohlwollen und Segen auf unserem Leben ruhen. Der Regenbogen gibt Hoffnung und Zuversicht. In einer Geschichte heisst es: „Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, „es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.“ „Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer, „es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger“, sagte er, „die baue ich in meinen Träumen.“ „Welche anderen Brücken?“ fragte das Kind. Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: „Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit, über alles Vergängliche hinweg.“ Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: „Ich schenke dir meine Brücke.“ Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen. (Anne Steinwart) |
| Gebet | Jesus Christus: Danke, dass du für uns eine Brücke gebaut hast, dass du uns nahe gekommen bist. Auch heute rechnen wir mit deiner Nähe, du Auferstandener. Wo wir uns selber aussenstehend fühlen, nicht zugehörig, wo wir Gräben spüren zwischen uns und anderen, da danken wir dir, dass du uns nie ausschliesst. Du hättest viele Gründe gehabt, dich von uns abzusondern. Vergib uns, wo wir Gräben geschaffen haben zu unseren Mitmenschen. Erfülle uns mit neuer Hoffnung, Menschen nahe zu kommen und sie neu kennen zu lernen. Lass den Advent zu einer Zeit werden, in der wir Brücken bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Gib uns dazu Fantasie und Kreativität, Ausdauer und Kraft und immer wieder neuen Mut. |